Guten Abend ihr Lieben,

wir wollen euch heute einen wunderschönen Roman von Kathryn Stockett empfehlen: „Gute Geister“.

Die Geschichte handelt von drei Frauen: Aibileen, Minny und Skeeter. Sie leben in Jackson, einer kleinen Stadt im Süden der USA. Es ist 1962. Aibileen ist schwarz, eine unheimlich sanftmütige und liebenswerte Frau, 52 Jahre alt, hat vor zwei Jahren ihren Sohn verloren und ist Dienstmädchen bei Miss Leefolt; einer weißen Frau. Dort zieht sie deren kleine Tochter Mae auf und kümmert sich um den Haushalt. Minny ist ebenfalls schwarz, 36, hat fünf Kinder, einen Ehemann und ist bei Miss Celia angestellt; ebenfalls einer weißen Frau. Minny sagt, was sie denkt. Das ist ungewöhnlich für diese Zeit … für eine Frau und vor allem für eine schwarze Frau. Skeeter schließlich, die eigentlich Eugenia heißt, ist 22, weiß, hat eben ihren College-Abschluss erworben und ist jetzt vorübergehend zu ihren Eltern nach Jackson gezogen; sie ist groß und etwas drahtig (daher ihr Spitzname) – und als einzige unter ihren weißen Freundinnen noch nicht verheiratet. 

Unbenannt

In den bisherigen Zeilen sind oft die Wörter „schwarz“ und „weiß“ gefallen. Eigentlich so unendlich unnötige Wörter im Leben (wenn es um die Hautfarbe geht). Dass sie das anscheinend nicht sind, spüren die schwarzen Menschen im Roman täglich. Ein paar Beispiele: Die schwarzen Dienstmädchen haben eigene Toilettenhäuschen im Garten der Weißen und dürfen die Toiletten im Haus nicht benutzen, weil sie als Schwarze ansteckende Keime in sich tragen würden. Außerdem sollen sie zwar den Haushalt führen und die weißen Kinder erziehen, dürfen aber nicht mit am Tisch sitzen und essen. Ihr Essen ist „zweiter Klasse“; nicht so gesund, nicht so schmackhaft. Für die Schwarzen gibt es separate Läden, in denen sie ihre Nahrungsmittel kaufen können. In die „weißen Läden“ dürfen sie nur in Dienstkleidung – wenn sie für ihre weißen Damen und Herren einkaufen gehen. In wenigen Worten: Ungerecht. Unbegründet. Unmenschlich. Und doch leider real. So leben Aibileen, Minny und Skeeter in Jackson.

Skeeter ist aber anders als die anderen Jackson-Weißen: Wenn sie erlebt, wie Freundinnen ihre schwarzen Dienstmädchen behandeln, ist sie fassungslos. Sie hat die Stadt schon einmal verlassen, war draußen, hat studiert. Ihr Horizont ist weiter. Sie weiß, dass es nicht so sein muss, wie es ist. Sie würde Jackson gerne wieder verlassen, nach New York ziehen, als Journalistin arbeiten – findet aber keinen Job. In einem Gespräch mit einer New Yorker Verlegerin entsteht dann folgende Idee: Ein Buch über das Leben und die Arbeit der Kinder- und Dienstmädchen in Jackson zu verfassen; die Verlegerin möchte es gerne veröffentlichen. Skeeter ist begeistert von dieser Idee – und gewinnt Aibileen und Minny für ihr Buch-Projekt (durch ein einschneidendes Erlebnis, das wir nicht vorwegnehmen möchten).

Für alle drei Frauen ist das Projekt gefährlich: Die Menschen in Jackson denken „schwarz“ und „weiß“, buchstäblich, so ist die Gesellschaft aufgebaut, so wird gelebt, so wird gedacht – und diese drei Frauen wollen damit brechen. Zumindest ein wenig. Mit Worten. Mutig. Verrückt. Menschlich. Ein herausragendes Buch, das berührt und bewegt, aber nicht moralisiert und nicht anklagt. Spannend. Manchmal zum Lachen. Vor allem aber zum Weinen. Und zum Nachdenken. Was ist der Mensch nur für ein Wesen! Es ist keine 60 Jahre her, dass es so war, wie im Roman beschrieben – und teilweise auf der Welt heute noch so ist. Ein tiefer Blick auf den Menschen, nicht auf den schwarzen, nicht auf den weißen, einfach auf den Menschen! 2012 bei „btb“ erschienen, 406 Seiten. Ein Buchtipp, der es in sich hat – lesen oder als Hörbuch anhören!